KSK Auswahlverfahren: EFV, Höllenwoche und warum Navigation ein entscheidender Vorteil ist.

Im Oktober 2013 wurde ich nach Calw eingeladen – zum damaligen Eignungsfeststellungsverfahren (EFV Teil 1) des Kommando Spezialkräfte (KSK).
Das war der erste echte Schritt.

EFV Teil 1 – Physical Fitness Test und psychologische Auswahl

Das alte EFV beinhaltete unter anderem den damaligen Physical Fitness Test mit verschiedenen Disziplinen wie:

• Pendellauf
• 12-Minuten-Lauf
• Standweitsprung
• usw.

Außerdem mindestens 5 Klimmzüge und die Hindernissbahn.

Dazu kamen umfangreiche psychologische Tests – schriftlich, persönliche Gespräche mit mehreren Psychologen sowie ein Gruppensituationsverfahren.

Es wurde nicht nur geprüft, wie leistungsfähig man ist.
Es wurde geprüft, wie stabil man bleibt.

Ich bestand das Verfahren auf Anhieb.
Im Januar 2014 wurde ich nach Calw kommandiert, genauer gesagt zum

10-Wochenprogramm nach Meßstetten bei Stetten am kalten Markt, in eine alte Kaserne, die kurz vor der Schließung stand.


Kein Aussiebungsprogramm, sondern ein Vorbereitungsprogramm.

Wir starteten mit rund 50 Teilnehmern.

Es wurde viel marschiert, sehr viel.

Ich experimentierte in dieser Zeit intensiv mit Stiefeln, Socken, Einlegesohlen und Fußpflege. Wer lange Strecken unter Last geht, merkt schnell: Nicht die Lunge entscheidet – sondern die Füße.

Bei den Fernspähern hatte ich mir einmal einen Ermüdungsbruch im Mittelfuß geholt, das wollte ich dieses Mal auf jeden Fall vermeiden.

Eine Szene ist mir besonders im Kopf geblieben.

Wir kamen durch das Kasernentor – und wurden direkt auf die Tartanbahn geschickt. Mit vollem Gepäck. Runde um Runde. Vermutlich deutlich über zehn.

Das war körperlich mit das Anstrengendste der gesamten Vorbereitung.

Druck verspürte ich nie bewusst, sondern ich war eher ruhig und Konzentriert.

Navigation war für mich kein neues Terrain mehr.
Ich hatte die Basics nicht nur verstanden – ich konnte sie anwenden.

Die Höllenwoche – 40 gestartet, 18 durchgelaufen

Im März 2014 begann die sogenannte Höllenwoche, das EFV Teil 2.

Wir starteten mit ungefähr 40 Teilnehmern.
18 liefen durch.
Drei wurden am letzten Tag vom Gremium noch herausgenommen.

Die Gefangenenphase – körperlich härter als erwartet

Der schwerste Abschnitt war für mich klar die Gefangenenphase.

Nicht, weil ich glaubte, es sei „real“,
sondern weil sie körperlich extrem fordernd war.

Über Stunden hinweg mussten wir abwechselnd in verschiedenen Stresspositionen stehen und sitzen.
Immer wieder wurden wir zwischen warmen und kalten Räumen verlegt.

Der Körper fährt irgendwann Achterbahn.
Temperaturwechsel, Kreislauf, Erschöpfung.

Navigation unter Druck

Während wir im Schwarzwald unterwegs waren, begleiteten uns zwei Ausbilder – ständig beobachtend.

Orientierungsfehler bedeuteten zusätzliche Kilometer.
Und zusätzliche Kilometer bedeuteten: Die Gruppe zahlt.

Ich hatte den Vorteil, dass ich mich sicher bewegen konnte.

Ich erinnere mich an eine Situation:

Ein Offizier – ebenfalls Teilnehmer – war in diesem Moment als Gruppenführer eingeteilt. Selbstbewusst. Dominant.

Er wählte mehrfach den falschen Weg.

Als die Ausbilder etwas entfernt waren, erklärte ich ihm ruhig, was er tun müsse, um die Richtung korrekt zu bestimmen. Er hörte nicht zu.

Wir liefen falsch.
Und schrubbten zusätzliche Kilometer.

Später wurde er vom Gremium entfernt.

Einzelorientierung – Belastung statt Prüfung

Der Einzelorientierungsmarsch war mit Knicklichtern markiert.

Nicht, um es einfacher zu machen.
Sondern weil es in dieser Phase nicht um Navigationsperfektion ging – sondern um körperliche und mentale Belastbarkeit.

Wer grundsätzlich nicht orientieren konnte, sollte trotzdem eine Chance haben.

Für mich war es kontrollierbar.
Die Technik saß, trotzdem merkte ich einmal, wie mir oben auf einem Hügel kurz schwarz vor Augen wurde. Ich schwankte. Musste mich setzen. Durchatmen.
Dann ging es weiter.

Zwei Jahre Basisausbildung – und die Abzeichen Verleihung 2016

Nach bestandener Höllenwoche begann die gut zweijährige Basisausbildung.

Navigation blieb Bestandteil – diesmal ergänzt durch moderne GPS-Systeme. Ein Stück weit war das ein Paradigmenwechsel. Technologie wurde zunehmend fester Bestandteil militärischer Praxis.

Aber Technik ersetzt kein Verständnis.

Nach der Abschlussübung erhielt ich 2016 mein Kommando Abzeichen.

Nur noch drei Teilnehmer waren in der Ausbildung zuvor ausgeschieden.

Ich war nun ausgebildeter Kommando beim KSK.

Doch Navigation endet nicht mit einer bestandenen Höllenwoche.
In der weiteren Ausbildung zeigte sich, was es wirklich bedeutet, unter realen Bedingungen präzise zu arbeiten.

DER WEG ENTSCHEIDET.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert