Fernspäher Ausbildung in Pfullendorf: Navigation mit Karte und Kompass unter Belastung
April 2009.
Ich wollte zu den Fernspähern nach Pfullendorf.
Gelandet bin ich zunächst bei den Heeresfliegern in Roth bei Nürnberg. Zwei Jahre lang. Nicht freiwillig. Mein damaliger Spieß wollte mich nicht gehen lassen. Erst als er in Pension ging und ein neuer Spieß kam, bekam ich Unterstützung.
Ich werde hier niemandem empfehlen, den Dienstweg zu umgehen.
Aber für mich persönlich hat es sich mehr als einmal bewährt, Initiative zu ergreifen, wenn ich gemerkt habe, dass ich sonst nicht dorthin komme, wo ich hinwill. Es war jedes Mal meine bewusste Entscheidung – inklusive der möglichen Konsequenzen.
Dienstag kommandieren lassen,
Montag darauf stand ich in Pfullendorf – bei der Fernspählehrkompanie 200.
Zwei Jahre Fernspäher – Navigation als Alltag (2009–2011)
Von April 2009 bis April 2011 war ich dort eingesetzt.
Navigation mit Karte und Kompass war kein Randthema.
Sie war Grundlage.
Oft wöchentlich, sehr häufig nachts,
meistens als Einzelorientierungsmarsch.
Das bedeutete:
• Über 30 Kilogramm Rucksack im Regelfall
• Allein unterwegs
• Keine Bestätigung von außen
• Manchmal mit Nachtsichtgerät
Nur die Karte, der Kompass und ein Rucksack, den man am liebsten im nächsten See versenken würde.
In der 10-tägigen Abschlussübung der Dienstpostenausbildung hatte ich zeitweise einen 64-Kilogramm-Rucksack – plus Waffe und zusätzliche Ausrüstung. Es zeigte, unter welchen körperlichen Bedingungen man funktionieren kann, wenn man muss.
Navigation passiert nicht im Seminarraum, sondern unter Belastung.
Auswahlverfahren EGB – 16 gestartet, 2 bestanden
Während meiner Zeit in Pfullendorf nahm ich am Auswahlverfahren EGB teil, durchgeführt ebenfalls dort – durch die Fernspählehrkompanie 200.
16 Teilnehmer sind gestartet, nur ein Kamerad und ich haben bestanden.
Ein eigener Prüfungsteil war ein Orientierungsmarsch, durchgeführt im Buddy Team.
Danach folgte eine Durchschlageübung, bei der wir abwechselnd als Führer eingeteilt wurden. Das bedeutete: Verantwortung für Richtung, Tempo und Entscheidung.
Und hier wird klar, wie entscheidend Navigation ist.
Kondition alleine reicht nicht.
Wille allein reicht nicht.
Wenn du dich verläufst, verlierst du Zeit.
Wenn du Zeit verlierst, gerätst du unter Druck.
Unter Druck passieren Fehler.
Navigation entscheidet mit darüber, ob du im Verfahren bleibst – oder ausscheidest.
Das wird oft unterschätzt.
Marschkompasszahl – wenn „ungefähr“ nicht reicht
Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir lange Strecken mit reiner Marschkompasszahl.
Mehrere Kilometer.
Oft nachts.
Durch Dickicht.
Manchmal auch durch Sumpf.
Kein Weg.
Kein Fixpunkt.
Nur Winkel und Strecke.
Am Anfang habe ich mich öfter verlaufen, später seltener.
Nicht, weil ich Talent hatte, sondern weil ich gelernt habe:
• Wenn du überlegst, ob du den Kompass noch einmal prüfen solltest – prüfe ihn.
• Wenn du denkst, du bist richtig – prüfe noch akribischer.
• Präzision schlägt Geschwindigkeit (langsam ist sicher und sicher ist schnell).
EKL Teil 1 – Schneetreiben in Altenstadt
Februar 2010, Einzelkämpferlehrgang Teil 1 in Altenstadt.
Beim Orientierungsmarsch herrschte starkes Schneetreiben.
Sicht schlecht. Gelände anspruchsvoll.
Für viele wurde es schwierig.
Für mich war es das zwar auch, aber durch die Routine im Orientieren, die ich bei den Fernspähern gelernt hatte, fand ich die Punkte ziemlich zügig. Ich war einer der ersten wieder im Bus.
Andere sind am Orientierungsmarsch gescheitert.
Dort wurde mir klar:
Die Basis entscheidet.
Warum Navigation unterschätzt wird
Viele unterschätzen Orientierung mit Karte und Kompass.
- Weil es einfach aussieht.#
- Weil man denkt, Theorie reicht.
- Weil man glaubt, ein Gefühl für Richtung zu haben.
Theorie kann man aus Büchern oder im Unterrichtsraum lernen, Praxis nicht.
Es ist wie Autofahren:
Du kannst alle Regeln kennen – das bedeutet nicht, dass du sicher fährst.
Mit Navigation ist es haargenau dasselbe, du lernst es nur durch Wiederholung unter realen Bedingungen.
Später habe ich bei den Gebirgsjägern und beim KSK noch dazugelernt.
Aber das Fundament, die Basis im Umgang mit Karte, Kompass und Marschkompasszahl, wurde in Pfullendorf gelegt.
Und genau diese Basis entscheidet, wenn es ernst wird.
Wer Navigation unterschätzt, wird sich verlaufen.
Spätestens nachts und
unter Belastung.
